An den Blättern die Wahrheit ermitteln? Als Kinder in der Grundschule haben wir sie mit Gänseblümchenblättern abgezählt. Es ist wirklich schwierig, wenn ich nicht frage oder jemand nicht deutlich antwortet. Wer mag mich? Wer liebt mich? Wem bin ich wichtig?

 

Nein! Erwartungen durchkreuzt

„Ich bin nicht gut genug. Ich schaffe es einfach nicht. So wird mich niemand lieben“: Diese Erfahrungen machen Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Mein Mathematik-Lehrer schrieb mir in der 5. Klasse ins Arbeitsheft: „Das schaffst Du nie!“ Diese Bemerkung habe ich mir damals ausgeschnitten und über das Bett gehängt. Sie war für mich gleichbedeutend mit: „Du hast hier auf dieser Schule nichts zu suchen! Du bist unerwünscht!“ Der Satz war total niederschmetternd aber auch Ansporn zur Gegenreaktion: „Warte bloß ab, ich schaffe es doch!“ Vor über 500 Jahren ging ein junger Mann ins Kloster, um endlich die volle Leistung zu erbringen: Für Gott. Aber so sehr er sich mühte: Totale Fehlanzeige und Verzweiflung. Er schaffte es trotz aller Anstrengung einfach nicht. Dann stieß er auf das alles verändernde Wort in der Bibel: „Der Mensch wird gerecht ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben“ (Brief des Paulus an die Römer 3,28). Sein altes Gottesbild zerbrach: Gott war nicht länger der erbarmungslose Richter, sondern Christus, der Mensch in der Krippe und der Erlöser der Menschen am Kreuz. Der junge Mönch Martin Luther hatte die Freiheit des Glaubens und Lebens entdeckt.

 

Lust am Beruf

Aus dem Kloster herausgekommen, behielt er die befreiende Erkenntnis nicht für sich. Er machte Mut, gemeinsam mit Gott die Welt zu gestalten. Der geistliche Beruf war plötzlich nicht mehr der ehrbarste und wichtigste für ihn: „Wenn du eine geringe Hausmagd fragst, warum sie das Haus kehre, die Schüsseln wasche, die Kühe melke, so kann sie sagen: Ich weiß, dass meine Arbeit Gott gefällt, weil ich sein Wort und Berufung für mich habe” (Predigt 1532). Diese Entdeckung des weltlichen Berufs als Berufung ist ein wesentlicher Motor der wirtschaftlichen Entwicklung bis heute.

 

Ja! Für immer geliebt, nie mehr unerwünscht!

Arbeit und Beruf sind aus evangelischer Sicht Ausdruck der Freiheit und der Liebe, die Gott den Menschen entgegenbringt. Sie selbst wird so nie Selbstzweck. Sein Herz darf man daran nicht hängen: „Woran du aber dein Herz hängst, das ist dein Gott.”. Ich gehe froh ans Werk mit Christus: Denn seine Liebe trägt mich für immer. Eine gesegnete Adventszeit