Wer ist schuld?

  • 13. April 2017
  • IN Allgemeines

Ostern: Christus verändert die Perspektive

Wer ist schuld?

Eine Frage, viel spannender als: Wer ist unschuldig? Was ist so erregend daran, jemandem die Schuld zuzuordnen, wenn etwas falsch gelaufen ist?

Selten bringt die Frage weiter. Anders ist es, wenn gefragt wird: Was können wir daraus lernen?

Ein Sündenbock ist schnell gefunden und verurteilt. Wenn es komplizierter ist, muss auch eine ganze Gruppe herhalten: Partei, Religion, Staat oder Unternehmen ist dann ganz egal. Ein eigenes Weltbild ist leicht konstruiert, in dem ich gut dabei wegkomme.

Leute, die als ethisch unbescholten dastehen wollen, klagen gerne an: „Sie ist beim Ehebruch erwischt worden. Sie hat nach dem Gesetz den Tod verdient.“ So geschehen vor 2000 Jahren im Tempel von Jerusalem. Doch Jesus lässt sich nicht auf eine Schuld-Diskussion ein. Er blickt in die Zukunft, ganz lösungsorientiert: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie. Als sie aber dies hörten, gingen sie, einer nach dem anderen, hinaus, angefangen von den Älteren; und er wurde allein gelassen mit der Frau, die in der Mitte stand. Jesus aber sprach zu ihr: Frau, wo sind sie? Hat niemand dich verurteilt? Sie aber sprach: Niemand, Herr. Jesus aber sprach zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh hin und sündige von jetzt an nicht mehr!“

Ein Neuanfang ist möglich

Wie oft ist mir schon vergeben worden. Warum fällt es mir so schwer, anderen zu vergeben? Es ist viel leichter, in den Chor der Ankläger einzustimmen.

„Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“ beten Christen im Vaterunser. Nicht nur sonntags in der Kirche, sondern in vielen Situationen des Alltags. Anlässe gibt es genug. Eine große Hilfe, befreit weiterzuleben. Wenn ich erfahre, dass ich meine Schuld bei Jesus wie einen Dreckhaufen abladen kann, dann spüre ich, was Erlösung ist. Das ist mein persönliches Osterfest. Befreit kann ich auch anderen gegenüber barmherziger sein. Gemeinsam können wir Lösungen suchen, im Berufsalltag aus Fehlern zu lernen. Unternehmenskultur ist ständige Übung. Sie ist kein Ziel, das einmalig erreicht werden kann und dann für alle Zeit bestehen bleibt. Die Nr. 1 zu werden ist viel leichter möglich, als auch beständig an der Spitze zu sein.

 

Aus dem Scheitern lernen

Wer tief in die Geschichte der Kirche blickt, der erkennt: Es ist eine lange Geschichte aus Aufbruch, Wachstum, Scheitern und Neuanfang: Zwischendurch immer wieder auch zum Verzweifeln mit allen menschlichen Tiefen. Und doch lebt sie immer noch. Kein Unternehmen ist je so alt geworden. Was ist ihr Geheimnis? Vielleicht ist es die Erfahrung:

Ich muss meine Fehler und meine Schuld nicht verstecken und schönreden. Ich darf bekennen, ohne in Grund und Boden gedroschen zu werden. Da gibt es einen, der mich liebt und bei dem ich alles abladen kann.

Ich kenne viele Mut machende Beispiele von Menschen in Institutionen und Unternehmen, die offen zu ihren Fehlern stehen und daraus lernen. Verurteilen wir nicht, sondern stärken sie!

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